"Tag des offenen Stadtarchivs": Alltagsgeschichte(n) aus sieben Jahrhunderten
Die Archivarinnen und Archivare präsentieren schriftliche und bildliche Dokumente sowie dreidimensionale Objekte zum Alltag unserer Vorfahren und bringen zusammen mit einem Bürger in historischem Gewand die Quellen aus vergangenen Jahrhunderten zum Sprechen.
Die Archivarinnen und Archivare des Stadtarchivs erzählen anhand der im Archiv lagernden Schrift- und Bild-Quellen vom Alltag unserer Vorfahren. Anschaulich belebt werden die Präsentationen durch Dialoge mit einem Mainzer Bürger des 17. Jahrhunderts in historischem Kostüm. Je nach Thema verkörpert der Historiker Peter Seelmann dabei unterschiedliche Personen: Er wird in die Rollen eines Sekretärs des Vizedoms, des Kellerverwalters der kurfürstlichen Martinsburg, eines Modespötters sowie des kurfürstlichen Rentmeisters Edmund Rokoch schlüpfen.
Der Streifzug durch die Mainzer Alltagsgeschichte beginnt mit dem Thema "Heiraten", das Ramona Weisenberger anhand von Eheverträgen, Hochzeitsordnungen und -bräuchen beleuchten wird. Sie offenbart, was sich hinter Begrifflichkeiten wie Hingabe, Handstreich oder dem "Frühsuppen" verbirgt - und wird von der Mainzer "Rosenbraut" erzählen.
Das "Rosenbrautfest" leitet bereits zum nächsten Thema über, präsentiert von Heike Rolf: "Wie speisten die Mainzerinnen und Mainzer?" Denn das Stadtarchiv verwahrt eine wichtige Hinterlassenschaft der 1835 ins Leben gerufenen so genannten "Rosenbrautstiftung": ein Silberbesteck für 36 Personen. Es wurde bis 1920 jährlich einmal verwendet, wenn die Stiftung das "tugendhafteste und bravste Mädchen" mit dem besten Betragen gegenüber seinen Eltern mit einem Festessen im Beisein der städtischen Honoratioren ehrte. Zu erfahren ist aber nicht nur, seit wann mit Messer und Gabel gegessen wurde, sondern auch, was beim Kurfürsten im 16. Jahrhundert auf den Tisch kam, und dass Klagen über erhöhte Preise in Mainzer Gaststätten so alt wie das Gastgewerbe sind.
Kochrezepte und Speisezettel vom 16. bis ins 20. Jahrhundert geben einen Eindruck vom Wandel der Eßgewohnheiten - ebenso wie diese war auch die Mode einem ständigem Wandel unterworfen und wurde bereits im 17. Jahrhundert mit Spottgedichten bedacht. Dr. Frank Teske wird zudem schildern, wie der absolutistische Kurstaat seinen Untertanen die Bekleidung vorschreiben wollte, wie die französische Revolution die Modewelt revolutionierte und überdies, welche Auswirkungen die Einrichtung von Schulbrausebädern an der Schwelle zum 20. Jahrhundert auf die Badekleidung der Schulkinder hatte.
Vom lieben Geld handelt die nächste Präsentation: Dr. Wolfgang Dobras stellt den zentralen Mainzer Handelsplatz - das Anfang des 14.Jahrhunderts erbaute Kaufhaus auf dem Brand - vor, berichtet von den Geschäften zweier Mainzer Handelsleute und wird mit dem Chef der kurfürstlichen Stadtkasse, Edmund Rokoch, über Zölle, Abgaben und Steuern reden. Das Publikum wird auch Zeuge, wie sich die Stadt Nürnberg im so genannten "Pfeifergericht" vor dem Rentmeister ihre Zollfreiheit in einer feierlichen Zeremonie unter Trompetenklang (live gespielt von Ingmar Kreibohm vom Bläserensemble "Zephir") bestätigen lässt.
Zum Abschluss präsentiert Manfred Simonis 10 Bilder von Menschen, die aus Mainz stammen oder in Mainz gelebt haben. Er wird dabei nicht nur auf die unterschiedlichen Gestaltungstechniken vom Kupferstich über Gouache, Ölgemälde und Kreidezeichnung bis zu Fotografie und Linolschnitt eingehen, sondern auch die Lebensläufe Revue passieren lassen.
Die gesamte Präsentation versteht sich als bunter Bilderbogen mit Informationen zur Stadtgeschichte sowie zur Überlieferung und Erhaltung des im Stadtarchiv verwahrten Kulturgutes und möchte verdeutlichen, welch unverzichtbarer Quellenspeicher das Stadtarchiv für jegliche Form der Beschäftigung mit Geschichte darstellt.
Programm
10.45 Uhr Eröffnung durch Kulturdezernent Peter Krawietz
anschließend
Szenische Darbietungen zu folgenden Themen:
11.00 Uhr Wie wurde in Mainz geheiratet?
12.00 Uhr Wie speisten die Mainzer?
13.00 Uhr Wie kleideten sich die Mainzer?
14.00 Uhr Wie wurde in Mainz Handel getrieben?
15.00 Uhr Wie ließen sich die Mainzer ins Bild setzen?
Ort und Veranstalter:
Stadtarchiv Mainz
Rheinallee 3 B,
55116 Mainz
Tel. 06131/122178
Fax 06131/123569
www.stadtarchiv.mainz.de,
eMail: stadtarchiv@stadt.mainz.de
Quelle: Pressemeldung Stadt Mainz
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